Freitag, 9. März 2012

Müller - Thurgau : Rebsorte oder Rebkrankheit?

Auch wenn Nathalie in ihrer Weinrallye-Ankündigung meinte, Müller-Thurgau sei ein einfaches Thema, hat es mich doch erstmal vor Probleme gestellt. Denn bei mir gilt der Grundsatz: "Müller-Thurgau ist keine Rebsorte sondern eine Rebkrankheit" folglich fand sich in meine eigentlich recht breit sortierten Keller keine einzige Flasche dieser verpönten Sorte. Da ich durchaus bereit bin, meine Vorurteile auf die Probe zu stellen, machte ich mich auf die Suche nach geeigneten Kandidaten für eine kleine Verkostung.

Da mir so spontan auch kein guter Erzeuger einfallen wollte, der Müller-Thurgau im Programm hat, befragte ich das Kellerverwaltungsprogramm meines Vertrauens Cellartracker nach positiven Müller-Thurgau Verkostungnotizen anderer Nutzer.

Die Meisten betrafen Weine aus den USA die natürlich kaum in Deutschland zu bekommen sind. Allerdings sties ich dort auch auf die Weine der Kellerei Kurtatsch, einer Winzergenossenschaft aus dem gleichnamigen Ort im schönen Südtirol.

Nachdem ich einen deutschen Händler ausfindig gemacht habe stolperte ich dort noch über einen Müller-Thurgau aus der Schlosskellerei Tiefenbrunner - ebenfalls aus Kurtatsch - der laut Händler 3 Gläser vom Gambero Rosso bekommen hat. Auch wenn ich dessen Bewertungen meist wenig nachvollziehen kann, war es doch Grund genug, diesen Wein mein Line-Up kompletieren zu lassen.





2008 Schlosskellerei Tiefenbrunner Feldmarschall v. Fenner Müller-Thurgau (16,59 €)


Leichte florale Nase mit Honig und unreifer Aprikose

Am Gaumen angenehme Säure, Mirabelle, Birne, Aprikose und leichte Mineralität

Ein sehr gut gemachter Wein, allerdings zu diesem Preis wirklich kein Schnäppchen

91 Punkte


2010 Kellerei Kurtatsch, Graun, Müller-Thurgau (9,39€)


Kräftige Nase mit Nelken, Birne und Kräutern

Am Gaumen leichte buttrigkeit, Karambola, saurer Apfel und Mangustine

Beeindruckender Wein mit feinem Aromenspiel. Ein Mörder-PGV!

92 Punkte


2007 Kellerei Kurtatsch, Hofstatt, Müller-Thurgau (7,98€)



In der Nase leichte Petrolnoten

Am Gaumen Birne, Weinbergpfirsiche, Basilikum.

Interessanter Wein mit deutlichen Alterstönen und sehr gutem PGV.

90 Punkte


Insgesamt ist damit festzustellen: Es gibt verdammt leckeren Müller-Thurgau, zumindest in Süd Tirol!

Freitag, 20. Januar 2012

Kochbuchvorstellung: Tajine - Würzige Eintöpfe aus Marokko

Das Buch
Das kleine Bändchen Tajine: Würzige Eintöpfe aus Marokko von Ghillie Basan bietet auf 64 Seiten eine Einführung in das Kochen mit dem tönernen marokkanischen Schmortopf Tajine

Gestaltung
Die Gestaltung des Hardcover-Bandes ist einfach aber geschmackvoll. Nach einer kurzen Einführung wird jeweils auf einer Doppelseite ein Rezept mit einem Gelungen aber ohne unnötigem Tamtam gestalteten Bild präsentiert.







Rezeptauswahl
Das Buch bietet mit 25 Rezepten, die recht gleichmäßig in die Kategorien Lamm-Tajines, Rindfleisch-, Kefta- und Wurst-Tajines, Geflügel-Tajines, Tajines mit Fisch und Meeresfrüchten und Gemüse Tajines aufgeteilt sind, eine kleine aber recht abwechslungsreiche Auswahl an Gerichten. Dazu kommen noch einige wenige Rezepte für Grundzutaten wie Harissa oder eingelegte Zitronen, sowie für ein paar typische Beilagen.





Preis/Leistung
Mit einem Preis von 12,95 bietet das Buch trotz des überschaubaren Umfangs auch aufgrund der hochwertigen Verarbeitung und ein ordentliches Preis-Leistungs-Verhältnis.






Das Rezept
Als Testrezept haben wir eine "Lamm-Tajine mit Maronen, Safran und Granatapfelkernen" (s.12) gekocht.



Durchführbarkeit
Das Rezept war gut beschrieben und trotz knapper Beschreibung einfach Schritt für Schritt umsetzbar. Lediglich den Ghee haben wir - wie wir dies bie Indischer und Orientalischer küche immer machen - durch einfache Butterschmalz ersetzt. In diesem werden Die Gewürze (Zwiebeln Knoblauch, Ingwer Safran und Zimtstangen kurz Angebraten bevor das Lammfleich hinzukommt. Dieses wird dann mit Wasser bedeckt und köchelt dann eine Stunde zugedeckt vor sich hin. Dann werden Maronen und Honig dazu gegeben und das ganze köchelt noch eine weile Weiter bis das Fleisch zart genug ist. Das gericht wird mit Granatapfelkernen, Minze und Koriander bestreut und mit Couscous serviert.



Die Mengen- und Zeitangaben sind in diesem - und auch in anderen von uns getesteten Rezepten genau. Alle Rezepte lassen sich übrigens auch in einem Normalen Schmortopf oder Bräter mit Deckel zubereiten.







Geschmack
Geschmacklich konnte das Testgericht voll und ganz überzeugen. Es bleibt natürlich Hausmannskost, dafür aber sehr leckere. Insbesondere die Kombination von Fleisch, süßem Honig und Maronen , den orientalischen Gewürzen mit der frischen Säure der Granatapfelkerne ist sehr ansprechend.






Gesamtnote
Das Buch ist und Bleibt natürlich lediglich ein kleines Bändchen, aber das was es bietet ist gut und Abwechlungsreich und das zu einem Fairen Preis. (Nicht nur) für Freunde der Orientalischen Küche absolut empfehlenswert

Sonntag, 8. Januar 2012

Projekt für 2012: 52 Kochbücher in 52 Wochen

Liebe Freunde unseren Blogs,

um dieses Blog ein wenig zu beleben, haben wir uns ein kleines Projekt für das Jahr 2012 ausgedacht.

In den Nächsten 52 Wochen werden wir jede Woche aus einem Kochbuch entweder aus unseren Beständen oder aus einem frisch Angeschafften ein Rezept zubereiten und das Kochbuch vorstellen.
Dabei sein wird alles vom Grundkochbuch bis zur Molekularküche, vom kleinen Heftchen bis zum 5 Bändigen 20kg schweren Monumentalwerk und natürlich mit kulinarischem aus vielen Regionen der Welt.

Noch ist unserer Plan für das Jahr noch lange nicht voll, und da wir im Rahmen der Aktion auch interessante neue Kochbücher kennenlernen wollen würden wir uns auch über Eure Vorschläge freuen. Die einzigen Bedingungen sind: Das Kochbuch muss aktuell noch erhältlich sein und entweder in Deutsch oder Englisch geschrieben sein.

Die erste Folge für KW1 werden wir in den nächsten Tagen (leicht verspätet) posten. Gut geschmeckt hat es schon!

Montag, 14. Juni 2010

Ein Besuch bei Crell Cuisine im Frankfurter Nordend

Anfang des Monats begab ich mich zusammen mit zwei Kollegen in Frankfurter Nordend, um auf Empfehlung eines meiner Begleiter in der Nähe des Merianplatzes "Crell Cuisine" einen Besuch abzustatten.

Das Restaurant war wahrscheinlich früher eine "Eckkneipe" und überraschte mit einem wohl daher rührenden rustikalen Charme, alten Holztischen und -bänken und eine eher engeren Sitzordnung. Für einen gemütlichen Abend wie wir Ihn hatten ist dies sehr sympathisch, bei einem Geschäftsessen wäre es aber wohl eher störend.

Der Service ist freundlich, unverkrampft und aufmerksam, auch wenn gegen später am Abend ein etwas häufigeres nach den Gästen schauen nicht geschadet hätte. Auch das ein oder andere Detail könnte noch mehr Aufmerksamkeit vertragen: Zum Beispiel, dass ein Platzteller spätestens nach der Vorspeise abgeräumt werden sollte, insbesondere wenn die Teller auf denen die Speisen serviert werden teilweise nicht richtig auf ihnen stehen können und noch dringender, wenn die Platzteller schon offensichtlich bessere Tage gesehen haben. Insgesamt hat der Service bei mir jedoch einen sehr positiven Eindruck hinterlassen.

Weniger begeistert hat mich die Weinkarte neben einiger weniger (überteuerter) Prestigeweine war hier fast ausschließlich unbekanntes auf der Karte. Die Auswahl der offenen Weine war ebenfalls überschaubar. Die probierten waren zwar ganz ok, mit etwas mehr Mühe bei der Weinauswahl wäre aber hier sicherlich "mehr Wein" für den gleichen Preis realisierbar.

Aber nun zur Hauptsache des Untertangens: Das Essen!
Die Karte erfreut sofort mit einer gute Balance zwischen einer ausreichend großen Auswahl um unterschiedliche Geschmäcker bedienen zu können und einer Beschränkung auf wenig genug Positionen um frische und Hochwertige Zutaten vermuten zu lassen. Am erfreulichsten ist jedoch die Menü-Regelung, die Dienstags bis Donnerstags greift: 3 Gänge für 35€ 4 Gänge für 40€ und 5 Gänge für 45€ bei freier Wahl der Gänge aus der Karte.

Ich habe mich für ein Viergangmenü entschieden.

Als Vorspeise gab es Barbarie Entenbrust mit Erbsentortellini und Beurre Rouge. Die Entenbrust war, wenn auch eher auf der rohen Seite, von guter Qualität und harmonierte gut mit der Beurre Rouge. Richtig begeistert haben mich jedoch die originellen Erbsentortellini: Mit leicht minzigem Geschmack, perfekt für den Frühsommer!

Auch bei der Hauptspeise - Rosa Kalbsrücken, gebratene Morcheln, Karottenstroh, Bärlauchspätzle und Morchelrahm - hätte dem Fleisch ein Tick mehr Garzeit gut getan. Ich würde es als Medium-Rare bezeichen und hätte dies bei einem Rindersteak auch perfekt gefunden, beim Kalbsrücken war es mir jedoch zu roh. Auch hier begeisterten erneut die Beilagen. Ganz besonders möchte ich hier die Bärlauchspätzle hervorheben: Kräftig im Aroma, gut in der Konsistenz und in perfekter Harmonie zum Morchelrahm gehört dies mit zum Besten was ich bisher gegessen habe. Bravo!

Ebenfalls gelungen waren die Erdbeerknödel in Zimt-Zucker-Semmelbrösel an einer Kugel Vanilleeis als Nachtisch.

Das Menü schloss für uns eine Rohmilchkäseplatte die für uns drei reichlich bestückt war.

Alles in allem ist Crell Cuisine ein Restaurant mit gutem - teils hervorragendem - Essen und freundlichen Service. Es gibt zwar hier und da noch Verbesserungspotential aber es ist insbesondere bei Berücksichtigung der sehr fairen Preise absolut Empfehlenswert.


Crell Cuisine
Gausstr. 4
60316 Frankfurt
069-498967
Di-Sa 18-23h




Mittwoch, 9. September 2009

Sind jetzt alle Weinsnobs?

Die Weinbloggerszene diskutiert gerade über einen Artikel des ehemaligen Sommelier-Weltmeisters Markus del Monego MW in der Onlineausgabe der Fit for Fun.

In diesem Artikel gibt Tipps wie man beim Weinkauf im Supermarkt den richtige Wein aussucht und welcher Wein zu welchem Essen passt.

Damit hat er natürlich gleich mehrere rote Tücher für die Weinszene aufgespannt, auf die nun fleissig eingerannt wird. Kritische Beiträge finden sich beispielsweise von Eckard Supp auf Enoworldwine mit "Welmeisterlich daneben" sowie von Michael W. Pleitgen auf Weinakademi-Berlin mit "Sind jetzt alle Aldi?".

Wenn man den Artikel von del Monego betrachtet, muß man als erstes zwei Fragen stellen. Erstens: Wer ist das Zielpublikum? Zweitens: Was will der Artikel erreichen?

Das Zielpublikum ist - das gibt bereits die Publikation in der Artikel erscheint vor - der ganz normale Verbraucher und nicht diejenigen die sich intensiv mit Wein beschäftigen. Es sind diejenigen, die einen ordentlichen Essensbegleiter suchen und nicht das "Erlebnis Degustation".

Der Artikel will offensichtlich erreichen den Normalverbraucher in seiner Lebenswelt praktische Hilfe zu geben eine etwas bessere Weinwahl zu Treffen, nicht ihn zum "rechten Weg" zu bekehren.

Und genau hier begeht del Monego bereits die erste Todsünde: Er wagt es doch tatsächlich die Tatsache zu akzeptieren, das der Leser seinen Wein im Supermarkt kauft und ihn nicht zu belehren, das es guten Wein "selbstverständlich" nur im Fachhandel gibt. Damit disqualifiziert er sich offensichtlich in den Augen einiger Kommentatoren bereits als ernstzunehmender Weinexperte.

Doch akzeptieren wir für diese Analyse diese infame Prämisse:

Die Tipps die del Monego gibt sind durch die Bank richtig:

  • Nicht von der hübschen Aufmachung täuschen lassen.
  • Im Supermarkt eher jüngere Weine bevorzugen, da die Weine dort nicht zur Lagerung gedacht sind.
  • Staub auf den Flaschen sind im Supermarkt kein gutes, sondern ein schlechtes Zeichen.
  • Erstmal selbst eine Flasche probieren bevor man eine größere Menge kauft.
  • Teuerer bedeutet nicht unbedingt besser
Moment! Was erlauben del Monego? Hat er da tasächlich geschrieben, es gäbe günstigere Weine die besser sind als teurere und dann noch etwa es gäbe "tolle" Weine bereits ab 2 Euro?

Ja hat er! Nehmen wir die beiden Aussagen mal auseinander:

Zum ersten Teil: Jeder der bereits einen Bordeaux mit gutem Namen für 20€ aufwärts aus einem "kleinen Jahrgang" gegen einen ordentlichen BDX-Blend aus Südafrika oder Argentinien für 5-10€ blind verkostet hat, wird zustimmen können, das teurer nicht immer besser bedeutet (Über Burgundische Qualitätskapriolen will ich jetzt erst gar nicht reden).

Zum Zweiten Teil müssen wir est einmal definieren was "toll" bei Weinen bedeutet. Für mich und die meisten anderen Wein-Verrückten bedeutet dies wohl 87 oder 90 Punkte aufwärts, aber (und nun sollten die Kritiker des Artikels aufpassen): Dieser Artikel ist nicht für uns geschrieben!

Für den Otto-Normalverbraucher bedeutet "toller" Wein, ein Wein der zum Essen schmeckt, der nicht nur voll macht, sondern auch sowas wie Aromen mitbringt und der sich von der bisherigen Erlebniswelt des Verbrauchers positiv absetzt. Wir als "Weinkenner" würden bei einem solchen Wein natürlich lediglich von "trinkbar" reden.

Zu den Weinen kann ich nicht viel sagen, da ich lediglich einen (Den Südafrikanischen Sauvingnon von Aldi Süd für 2,99€) kenne. Dieser jedoch ist ein ordentlich gemachter Wein, den ich sicherlich nicht wegschütten würde. Ich habe diesen sogar schon noch studierenden Freunden als Wein für eine Party mit studententypischen Budget empfohlen und durchaus positive Rückmeldung erhalten. Dieses für mich nachvollziehbare Besipiel erfüllt also das mutmaßliche Ziel des Artikels und bestätigt: Del Monego hat seinen Job als Sommelier (!) richtig gemacht: Nämlich dem Kunden auf Basis dessen Erfahrungsstand und pekuniären Vorstellungen zu einem guten Weinerlebnis zu verhelfen. Für einen guten Sommelier muß der Kunde wichtiger sein als die Persönliche "Wein-Ideologie".

Wir als Wein-Fans sollten niemals vergessen, das es eben nicht "Normal" ist hunderte oder gar tausende Weinflaschen im Gegenwert eines Klein- bis Mittelklassewagens im Keller zu horten und 10€ Weine (dies ist für die meisten Verbraucher die Preis-Schallgrenze) als Alltagsweine zu betrachten.

Donnerstag, 16. Juli 2009

eBob Offline in Atlanta

Hier einige Bilder von unserem Besuch in Atlanta, bei dem wir von den dortigen eBob regulars fürstlich empfangen wurden.

Einige Kommentare und Verkostungsnotizen auf Englisch finden sich hier: http://dat.erobertparker.com/bboard/showthread.php?p=2696580
























Dienstag, 22. April 2008

Wine Blogging Wednesday: Old World Riesling

Das englischsprachige Äquivalent zur Weinrallye, der "Wine Blogging Wednesday" hat dieses mal ein sehr interessantes Thema.

Alder Yarrow vom Blog Vinography schrieb als Thema "Old World Riesling" aus. Es geht also sozuzusagen um "uns"!

Ich bin ja mal gespannt was die Kollegen aus Amerika da so zu berichten haben.

Wir werden uns mit unserem im Entstehen begriffenen Podcast und Blog Schwesterprojekt German Wine Cast beteiligen. Schließlich sind am ersten Maiwochenende landauf landab die 2007er Jahrgangspräsentationen bei den Winzern.